Grenzwerte gelten auch für dieselbetriebene Fahrzeuge und Maschinen im Baubereich. Informieren Sie sich, wie Sie Ihre Mitarbeiter vor Dieselmotoremissionen schützen können.

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Dieselmotoremissionen (DME)


Dieselbetriebene Fahrzeuge und Maschinen werden in der Baubranche für eine Vielzahl von Arbeiten eingesetzt. Eine besondere Gefährdung der Beschäftigten geht vor allem von den im Dieselabgas befindlichen Rußpartikeln aus. Werden dieselbetriebene Geräte im Freien eingesetzt ist die Belastung durch Dieselmotoremissionen (DME) aufgrund der guten Durchlüftung i. d. R. unproblematisch. Ganz anders sieht es jedoch beim Einsatz von Dieselgeräten in umschlossenen Räumen aus. Hier sind die Beschäftigten erhöhten DME-Konzentrationen ausgesetzt.

Gemäß aktueller Rechtslage werden Tätigkeiten oder Verfahren, bei denen Beschäftigte in Bereichen Arbeiten, in denen DME freigesetzt werden, als krebserzeugend eingestuft. Die in der Folge potenziell auftretende Krebserkrankung, meist Lungenkrebs, weist lange Latenzzeiten von bis zu 40 Jahren auf. Demzufolge sollte der Kontakt mit DME durch geeignete Schutzmaßnahmen vermieden werden.

Gefahrstoffe im Motorabgas

Die genaue Zusammensetzung der DME ist abhängig vom Motortyp und der Betriebsweise (Wartungs-/ Lastzustand, Fahrweise, usw.). Jedoch stets enthalten sind:

Gefahrstoff Gefährdung Arbeitsplatzgrenzwert
Kohlenmonoxid (CO) CO ist giftig und fruchtschädigend(CO verdrängt den Sauerstoff im Blut und kann zu Bewusstlosigkeit, Gedächtnisstörungen, Organschäden oder sogar zum Tod führen. CO ist farb- und geruchlos)  35 mg/m³ (TRGS 900)
Kohlenstoffdioxid (CO2)  Erstickend in hohen Konzentrationen  9100 mg/m³ (TRGS 900)
Stickoxide (NOx)  Sehr giftig  in Bearbeitung
Dieselruß (Elementarer Kohlenstoff EC)  Krebserzeugend nach TRGS 906 Minimierungsgebot

Da sich bei der Verwendung dieselbetriebener Fahrzeuge und Maschinen in ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen, wie z. B. Hallen, Tiefgaragen, Räumen, Gräben oder Tunneln, DME anreichern, ist die Gefährdung dort besonders hoch. (BG BAU 2017)

Bevor der Arbeitgeber eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen ausüben lässt, muss er eine Gefährdungsbeurteilung nach § 6 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) erstellen. Die Gefährdungsbeurteilung dient dazu, die Risiken die von den Motorabgasen ausgehen systematisch zu beurteilen und erforderliche Schutzmaßnahmen abzuleiten.

 Hinweis

Beim Einsatz von Gabelstaplern in Hallen können DME-Konzentrationen berechnet werden.
DME-Rechner

Minimierungsgebot

Gemäß §§ 8, 9 GefStoffV gilt für DME das Minimierungsgebot. D. h. Beschäftigte dürfen DME nur ausgesetzt werden, wenn dies nach dem Stand der Technik unvermeidbar ist. Der Arbeitgeber hat somit zunächst zu prüfen, ob auf den Einsatz dieselbetriebener Fahrzeuge und Maschinen, z. B. durch die Verwendung von Elektromotoren, verzichtet werden kann.
Eine Hilfestellung hierzu gibt die TRGS 554 „Abgase von Dieselmotoren“: Im Anhang unter Punkt 1.1 listet sie auf, unter welchen Voraussetzungen der Einsatz von dieselbetriebenen Flurförderzeugen in ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen begründbar ist.

Schutzmaßnahmen

Kann die Entstehung von DME nicht verhindert werden, sind die Belastungen durch DME auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei hat der Arbeitgeber technische Maßnahmen organisatorischen vorzuziehen.
Mögliche Maßnahmen zur Schadstoffminderung sind z. B.

  • Einsatz schadstoffarmer Motoren
  • Verwendung von Dieselpartikelfilter (DPF) bei Dieselmotoren
  • Regelmäßige Wartung (vgl. Nr. 4.2.4, TRGS 554)
  • Abgasabsaugvorrichtungen (vgl. Nr. 4.2.5, TRGS 554)
  • Lüftungstechnische Maßnahmen
  • Räumliche Trennung unterschiedlich belasteter Bereiche

Lassen sich aus arbeitstechnischen Gründen die zuvor aufgeführten Maßnahmen nicht umsetzen oder sind diese nicht ausreichend, ist persönliche Schutzausrüstung zu tragen. Die TRGS 554 empfiehlt bereits ab einer Konzentration von mehr als 0,1 mg/m³ EC (elementarer Kohlenstoff) die Benutzung von Atemschutz.
Hierfür können i. d. R. Halb- / Viertelmasken mit P2-Filter oder partikelfiltrierende Halbmasken FFP2 verwendet werden (vgl. Nr. 4.4, TRGS 554).

 Hinweis

Die BG Bau fördert die Anschaffung schadstoffreduzierender Zubehörteile, wie z. B. Dieselpartikelfilter, Motor-Stopp, oder elektrisch- bzw. gasbetriebene Geräte. Alle Informationen und Formulare zur Beantragung des Zuschusses finden Sie im Arbeitsschutzprämien-Katalog der BG BAU.

Handlungshilfen zur Gerfährdungsbeurteilung

Der Anhang der TRGS 554 enthält für nachfolgend aufgeführte Arbeitsbereiche und Tätigkeiten Handlungshilfen, die bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung und der Festlegung geeigneter Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen sind.

  • Betrieb von Flurförderzeugen
  • Untertägige Arbeitsbereiche
  • Ladehallen, Laderampen, Ladestellen, Abkippstellen
  • Werkstätten
  • Abstellbereiche
  • Fahrerkabinen mit Anlagen zur Versorgung mit gefilterter Atemluft
  • Abgasuntersuchungen (AU)

Arbeitsmedizinische Vorsorge

Bei Exposition gegenüber DME oder CO muss der Arbeitgeber arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten (Angebotsvorsorge). Wird der Arbeitsplatzgrenzwert von CO überschritten, ist die Veranlassung einer Vorsorge Pflicht (Pflichtvorsorge).

Betriebsanweisung und Unterweisung

Der Arbeitgeber hat unter Berücksichtigung der Gefährdungsbeurteilung eine Betriebsanweisung zu erstellen und auszuhängen. Die Beschäftigten sind anhand der Betriebsanweisung vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mind. jährlich zu unterweisen. Um die Beschäftigten über die Gesundheitsgefahren ausreichend aufzuklären, fordert die TRGS 554 bei der Unterweisung arbeitsmedizinischen Sachverstand (z. B. Betriebsarzt). Weibliche Beschäftigte im gebärfähigen Alter sind darauf hinzuweisen, dass CO als Bestandteil der Motorabgase Schädigungen des ungeborenen Kindes hervorrufen kann.

Abgrenzung und Kennzeichnung von Gefahrenbereichen

Ganz oder teilweise geschlossene Arbeitsbereiche, in denen DME auftreten, müssen in Gefahrenbereiche abgegrenzt und durch Warn- und Sicherheitszeichen gekennzeichnet werden. In diesen Bereichen herrscht Rauchverbot und der Zutritt ist nur für unterwiesene Personen zulässig. Zudem sind diese Arbeitsbereiche in einem Gefahrstoffverzeichnis nach § 6 Absatz 12 GefStoffV aufzuführen.Des Weiteren fordert die TRGS 410 das Beschäftigte, die DME ausgesetzt sind, in einem Expositionsverzeichnis aufzulisten sind.

Einsatzbeschränkungen

Es ist zu beachten, dass in ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen dieselbetriebene Arbeitsmittel nur mit DPF zulässig sind.

Wann liegt ein ganz oder teilweise geschlossener Arbeitsbereich vor?

Nach Auffassung der BG BAU ist dies der Fall, sofern ein Dach oder eine Decke und mind. zwei Wände – auch mit Öffnungen, z. B. Türen, Tore, Fenster – vorhanden sind. (BG BAU 2016)

Wie kann festgestellt werden, ob eine Baumaschine mit Dieselmotor nach TRGS 554 für den Einsatz in Hallen, Tunneln, usw. geeignet ist?

Hersteller stellen für dieselbetriebene Baumaschinen, die mit einem Dieselpartikelfilter (DPF) gemäß TRGS 554 ausgestattet sind, ein Zertifikat aus. Darüber hinaus finden Sie auf diesen Baumaschinen i. d. R den links abgebildeten Aufkleber. (BG BAU 2016)

Abkürzungen

BG Berufsgenossenschaft / gesetzlicher Unfallversicherungsträger
CO Kohlenmonoxid
DME Dieselmotoremissionen
DPF Dieselpartikelfilter
EC Elementarer Kohlenstoff
GefStoffV Gefahrstoffverordnung
TRGS Technische Regel für Gefahrstoffe
Quellen
ArbMedVV (2013) Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). Zuletzt geändert durch Art. 1 V v. 23.10.2013 I 3882.
BG BAU (2016) Baumaschinenhersteller und BG BAU gehen gemeinsame Wege bei Dieselmotorabgasen. Online verfügbar unter BG BAU, zuletzt geprüft am 07.11.2016
BG BAU (2017) Abgase von Otto- und Dieselmotoren. Online verfügbar unter BG BAU, zuletzt geprüft am 07.11.2016.
BG BAU (2017a) Dieselpartikelfilter. Online verfügbar unter BG BAU, zuletzt geprüft am 07.06.2011
TRGS 410 (2015) Expositionsverzeichnis bei Gefährdung gegenüber krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Gefahrstoffen der Kategorien 1A oder 1B, zuletzt geändert und ergänzt: GMBl 2015 S. 587-595 [Nr. 30] (v. 5.8.2015). Ausschuss für Gefahrstoffe.
TRGS 554 (2009) Technische Regeln für Gefahrstoffe. Abgase von Dieselmotoren, zuletzt geändert und ergänzt: GMBl Nr. 28 S. 604-605 v. 2.7.2009. Ausschuss für Gefahrstoffe.
GefStoffV (2017) Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen. Online verfügbar unter Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, zuletzt geprüft am 07.06.2017.
Ziegler C., Rutscher R., Rühl R. (2014) Unterschätze Abgasbelastungen erschienen in Sicher ist Sicher – Arbeitsschutz aktuell. Ausgabe 02/2014. Online verfügbar unter BG BAU, zuletzt geprüft am 07.11.2016.

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