Transport von Maschinen, Geräten und Fahrzeugen im Gefahrgutrecht

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Übersicht

Die Vorgaben für den Transport von Maschinen, Geräten und Fahrzeugen wurden mit dem ADR 2017 (Europäische Vorschriften zum Gefahrgut-Transport) grundlegend neu geregelt. Die Transporte sind grundsätzlich nach den Sondervorschriften 363 (brennstoffbetriebene Motoren und Maschinen) bzw. 666 (Fahrzeuge und batteriebetriebene Geräte) durchzuführen, außer, der Abschnitt 1.1.3.1 b) kann angewendet werden.

Sondervorschrift Regelungsgegenstand Beispiele
 363 Transport von Motoren oder Maschinen, die durch als gefährliche Güter klassifizierte Brennstoffe über Verbrennungssysteme oder Brennstoffzellen angetrieben werden Verbrennungsmotoren, Generatoren, Kompressoren, Turbinen, Heizvorrichtungen, usw.
 666 Transport von Fahrzeugen (brennstoff- oder batteriebetrieben) und batteriebetriebene Geräten  Aufsitzrasenmäher, selbstfahrende Baumaschinen, batteriebetriebene Rasenmäher, batteriebetriebene Reinigungsmaschinen, usw.
 Hinweis

Der Begriff Brennstoff schließt auch Kraftstoff ein.

Freistellung nach 1.1.3.1 b) ADR

Die Vorschriften des ADR gelten nicht für die Beförderung von Maschinen oder Geräten, die in ihrem inneren Aufbau oder in ihren Funktionselementen gefährliche Güter enthalten, vorausgesetzt, es werden Maßnahmen getroffen, die unter normalen Beförderungsbedingungen ein Freiwerden des Inhalts verhindern.

Diese Freistellung ist anwendbar für Maschinen und Geräte, die nicht unter die Sondervorschriften 363 oder 666 fallen, also weder über einen Antrieb durch Verbrennungssysteme, Brennstoffzellen noch Batterie verfügen, aber trotzdem gefährliche Güter enthalten. Mögliche Beispiele hierfür sind:

  • Straßenmarkierungsgeräte
  • Gaszähler, die zu Wartungszwecken ausgebaut werden

Sondervorschrift 363

Regelungen zum Transport von Motoren oder Maschinen

Die Motoren oder Maschinen unterliegen nicht den übrigen Vorschriften des ADR, wenn die nachfolgenden Vorschriften erfüllt werden.

  1. Der Motor oder die Maschine, einschließlich des Umschließungsmittels, das die gefährlichen Güter enthält, entspricht den Bauvorschriften der zuständigen Behörde des Herstellungslandes.
  2. Alle Ventile oder Öffnungen (z. B. Lüftungseinrichtungen) sind während der Beförderung geschlossen.
  3. Die Motoren oder Maschinen sind so ausgerichtet, dass ein unbeabsichtigtes Freiwerden gefährlicher Güter verhindert wird, und sie sind durch Mittel gesichert, mit denen die Motoren oder Maschinen so fixiert werden können, dass Bewegungen während der Beförderung, die zu einer Veränderung der Ausrichtung oder zu einer Beschädigung führen können, verhindert werden.
  4. Bezettelung/Beförderungspapier für Motoren oder Maschinen, die flüssige Brennstoffe enthalten
    Fassungsraum Tatsächlicher Inhalt Bezettelung Beförderungspapier
    Weniger als 450 Liter Keine Nein
    Mehr als 450 Liter bis 3.000 Liter Weniger als 60 Liter Keine Nein
    Mehr als 60 Liter An zwei gegenüberliegenden Seiten mit Gefahrzettel (100 x 100 mm) Nein
    Mehr als 1.000 Liter An zwei gegenüberliegenden Seiten mit Gefahrzettel (100 x 100 mm) Ja, mit Vermerk „BEFÖRDERUNG NACH SONDERVORSCHRIFT 363“
    Mehr als 3.000 Liter Weniger als 60 Liter Keine Nein
    Mehr als 60 Liter An zwei gegenüberliegenden Seiten mit Großzetteln (Placards –
    250 x 250 mm)
    Nein
    Mehr als 1.000 Liter An zwei gegenüberliegenden Seiten mit Großzetteln (Placards –
    250 x 250 mm)
    Ja, mit Vermerk „BEFÖRDERUNG NACH SONDERVORSCHRIFT 363“
  5. Bezettelung/Beförderungspapier für Motoren oder Maschinen, die durch entzündbares Gas angetrieben werden
    Fassungsraum (mit Wasser ausgelitert) Bezettelung Beförderungspapier
    Weniger als 450 Liter Keine Nein
    Mehr als 450 Liter bis 1.000 Liter An zwei gegenüberliegenden Seiten mit Gefahrzettel (100 x 100 mm) Nein
    Mehr als 1.000 Liter An zwei gegenüberliegenden Seiten mit Großzetteln (Placards – 250 x 250 mm) Ja, mit Vermerk „BEFÖRDERUNG NACH SONDERVORSCHRIFT 363“

Zuordnung der UN-Nummern

UN-Nummer Bezeichnung Zusätzliche Erläuterung
 3528 Verbrennungsmaschine mit Antrieb durch entzündbare Flüssigkeit Motoren und Maschinen, die sowohl durch ein entzündbares Gas als auch durch eine entzündbare Flüssigkeit angetrieben werden, müssen der UN-Nummer 3529 zugeordnet werden.
Verbrennungsmotor mit Antrieb durch entzündbare Flüssigkeit
 3529 Verbrennungsmaschine mit Antrieb durch entzündbares Gas
Verbrennungsmotor mit Antrieb durch entzündbares Gas
3530 Verbrennungsmaschine Motoren und Maschinen, die den Klassifizierungskriterien für umweltgefährdende Stoffe und nicht den Klassifizierungskriterien einer anderen Klasse entsprechen.
Verbrennungsmotor

Freistellung durch Entfernen der Brennstoffe – Sondervorschrift 363

Eine vollständige Freistellung kann erreicht werden, wenn das Transportgut frei von flüssigen und gasförmigen Brennstoffen ist:

Ein Motor oder eine Maschine gilt als frei von flüssigen Brennstoffen, wenn der Flüssigbrennstoffbehälter entleert wurde und der Motor oder die Maschine wegen Brennstoffmangels nicht betrieben werden kann. Motoren- oder Maschinenbauteile wie Brennstoffleitungen, -filter und -einspritzdüsen müssen nicht gereinigt, entleert oder gespült werden, damit sie als frei von flüssigen Brennstoffen gelten. Darüber hinaus muss der Flüssigbrennstofftank nicht gereinigt oder gespült werden.

Ein Motor oder eine Maschine gilt als frei von gasförmigen Brennstoffen, wenn die Behälter für gasförmigen Brennstoffe frei von Flüssigkeiten (bei verflüssigten Gasen) sind, der Druck in den Behältern nicht größer als 2 bar ist und der Brennstoffabsperrhahn oder Brennstoffabsperrventil geschlossen und gesichert ist.

Bei Erfüllung der Voraussetzungen unterliegen Motoren und Maschinen nicht den Vorgaben des ADR (auch nicht der Sondervorschriften).

Sondervorschrift 666

Regelungen zum Transport von Fahrzeugen und Batteriebetriebenen Geräten

Die transportierten Fahrzeuge und batteriebetriebenen Geräte unterliegen nicht den übrigen Vorschriften des ADR, wenn die nachfolgenden Vorschriften erfüllt sind.

  • Bei flüssigen Brennstoffen müssen die Ventile zwischen dem Motor oder der Einrichtung und dem Brennstoffbehälter während der Beförderung geschlossen sein, es sei denn, es ist von Bedeutung, dass die Einrichtung in Betrieb bleibt. Soweit erforderlich müssen die Fahrzeuge aufrecht und gegen Umfallen gesichert verladen werden.
  • Bei gasförmigen Brennstoffen muss das Ventil zwischen dem Gastank und dem Motor geschlossen und der elektrische Kontakt unterbrochen sein, es sei denn, es ist von Bedeutung, dass die Einrichtung in Betrieb bleibt.
  • Metallhydrid-Speichersysteme (Anmerkung: Speicher für gasförmigen Wasserstoff) müssen von der zuständigen Behörde des Herstellungslandes zugelassen sein. Ist das Herstellungsland keine Vertragspartei des ADR, muss die Zulassung von der zuständigen Behörde einer Vertragspartei des ADR anerkannt werden.
  • Wenn alle Anforderungen der Sondervorschrift eingehalten werden, kommen alle übrigen Vorschriften des ADR nicht zur Anwendung.

    Zuordnung der UN-Nummern

    UN-Nummer Bezeichnung
     3166 Fahrzeug mit Antrieb durch entzündbares Gas/entzündbare Flüssigkeit oder Brennstoffzellen-Fahrzeug mit Antrieb durch entzündbares Gas/entzündbare Flüssigkeit
     3171 Batteriebetriebenes Fahrzeug oder batteriebetriebenes Gerät

    Freistellung von Fahrzeugen durch Entfernen der Brennstoffe – Sondervorschrift 666

    Eine weitgehende Freistellung für Fahrzeuge kann erreicht werden, wenn das Transportgut frei von flüssigen und gasförmigen Brennstoffen ist:

    Ein Fahrzeug gilt als frei von flüssigen Brennstoffen, wenn der Flüssigbrennstoffbehälter entleert wurde und das Fahrzeug wegen Brennstoffmangels nicht betrieben werden kann. Fahrzeugbauteile wie Brennstoffleitungen, -filter und -einspritzdüsen müssen nicht gereinigt, entleert oder gespült werden, damit sie als frei von flüssigen Brennstoffen gelten. Darüber hinaus muss der Flüssigbrennstofftank nicht gereinigt oder gespült werden.

    Ein Fahrzeug gilt als frei von gasförmigen Brennstoffen, wenn die Behälter für gasförmigen Brennstoffe frei von Flüssigkeiten (bei verflüssigten Gasen) sind, der Druck in den Behältern nicht größer als 2 bar ist und der Brennstoffabsperrhahn oder Brennstoffabsperrventil geschlossen und gesichert ist.

    Bei Erfüllung der Voraussetzungen muss lediglich Abschnitt c) der Sondervorschrift 666 beachtet werden.


    Stand 05/2018

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